Warum gute Workshops noch keine Organisation verändern
Ein Teamtag, ein Training, ein Workshop: Unternehmen investieren Zeit, Geld und Energie. Doch der Fehler passiert meistens nach dem Workshop, wenn der Transfer in den Alltag nicht mitgeplant ist.
Nach der Sommerpause beginnt in vielen Unternehmen die Planung für das zweite Halbjahr. Offene Themen kommen wieder auf den Tisch und der Wunsch wächst, vor Jahresende noch etwas zu bewegen.
Ein Teamtag wird geplant. Führungskräfte werden zu einem Training angemeldet. HR organisiert einen Workshop zu Kommunikation, Zusammenarbeit, Resilienz oder Führung. Das Unternehmen investiert Zeit, Geld und Energie, um seinen Mitarbeitenden etwas Gutes anzubieten und wichtige Veränderungen anzustoßen.
Jedoch… Führungskräftetrainings können Wissen vermitteln. Ob sich dadurch im Arbeitsalltag etwas verändert, ist eine andere Frage. Eine Metaanalyse von 85 Trainingsmaßnahmen zeigt: Die stärkste Wirkung entsteht beim Lernen, deutlich schwieriger wird es beim tatsächlichen Verhalten und bei messbaren Ergebnissen in der Organisation. Eine weitere Auswertung von 89 Studien bestätigt, dass der Transfer entscheidend vom Arbeitsumfeld abhängt. Fehlen Unterstützung, Anwendungsmöglichkeiten und eine begleitete Umsetzung, bleibt selbst ein guter Workshop häufig ein guter Tag.
Workshops sind damit nicht grundsätzlich wirkungslos. Sie werden es meistens erst dann, wenn ein Unternehmen die Veranstaltung finanziert, aber den Transfer in den Alltag nicht mitplant.
Wie viele Workshops hat Ihr Unternehmen in den vergangenen drei Jahren durchgeführt? Und bei wie vielen davon können Sie heute noch konkret benennen, was sich dadurch im Arbeitsalltag verändert hat?
Eine Geschäftsführerin hat uns diese Lücke vor Kurzem in einem Satz gespiegelt:
„Wir haben in den vergangenen drei Jahren sieben Workshops gemacht. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, was davon noch etwas gebracht hat.“
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Das Unternehmen investiert Zeit, Geld und Energie. Trotzdem hält sich die Begeisterung bei den Teilnehmenden oft in Grenzen.
„Schon wieder ein Workshop.“
„Danach bleibt doch sowieso alles beim Alten.“
Der Fehler passiert meistens nach dem Workshop
Ein Workshop kann wertvoll sein. Menschen verlassen für einige Stunden ihr Tagesgeschäft, hören andere Perspektiven und beschäftigen sich mit Fragen, für die im Alltag kaum Zeit bleibt.
Ein Team erkennt, warum es an bestimmten Stellen immer wieder hakt. Eine Führungskraft hinterfragt ihr Verhalten. Mitarbeitende formulieren, was sie brauchen, um Verantwortung übernehmen zu können.
Dann beginnt die nächste Arbeitswoche.
Der Kundenauftrag ist dringend. Zwei Mitarbeitende fallen aus. Eine Entscheidung muss schnell getroffen werden. Die Führungskraft greift wieder selbst ein, weil es schneller geht. Die vereinbarten Maßnahmen bleiben im Protokoll.
Einige Wochen später ist vieles wie zuvor.
Was lernen Mitarbeitende daraus? Dass es sich kaum lohnt, sich einzubringen. Sie haben Zeit investiert, offen gesprochen und Ideen entwickelt. Wenn daraus nichts Sichtbares entsteht, wird der nächste Workshop schnell als Pflichtveranstaltung oder Zeitverschwendung erlebt.
Das Problem ist selten fehlendes Wissen. Die meisten Führungskräfte wissen, dass sie zuhören und Verantwortung abgeben sollten. Teams wissen, dass offene Kommunikation wichtig ist.
Mehr Wissen allein verändert noch kein Verhalten. Und ein guter Tag verändert noch keine Kultur.
Was soll nach dem Workshop anders sein?
Viele Unternehmen planen sehr genau, was während eines Workshops passiert. Zu wenig Aufmerksamkeit erhält die Zeit danach.
- Wer übernimmt Verantwortung für die Umsetzung?
- Was soll im Arbeitsalltag konkret anders werden?
- Wann betrachten wir gemeinsam, ob sich tatsächlich etwas entwickelt hat?
Bleiben diese Fragen unbeantwortet, konkurriert der Veränderungsimpuls anschließend mit Routinen, Prozessen und Entscheidungswegen, die seit Jahren bestehen.
Auch wir haben das lange unterschätzt. In unseren ersten Jahren haben wir Workshops gestaltet, die einen ganzen Tag füllten, dicht an Inhalten, gut vorbereitet, mit viel Substanz. Die Rückmeldungen waren freundlich. Trotzdem haben wir Monate später oft gemerkt: Vieles davon war nicht mehr präsent. Nicht, weil die Teilnehmenden es nicht ernst gemeint hätten, sondern weil an einem einzigen langen Tag zu viel auf einmal ankommt, um wirklich hängen zu bleiben.
Weniger Wissensvermittlung, mehr Bewusstwerdung
Wir haben auch lange geglaubt, ein Workshop müsse vor allem Wissen vermitteln, je mehr, desto besser. Inzwischen sehen wir das anders. Die meisten Menschen wissen längst, was gute Zusammenarbeit ausmacht. Was fehlt, ist selten Wissen. Es ist der Moment, innezuhalten und sich einige unbequeme Fragen wirklich zu stellen.
- Warum greife ich als Führungskraft immer wieder ein, obwohl ich Verantwortung abgeben möchte?
- Warum spreche ich als Mitarbeiterin ein wichtiges Thema nicht an?
- Welche Erwartungen haben wir aneinander, ohne je darüber gesprochen zu haben?
Die Teilnehmenden erhalten deshalb bereits vor dem Workshop gezielte Reflexionsfragen von uns. Dadurch beginnt die eigentliche Denkarbeit nicht erst im Raum. Die Menschen kommen mit eigenen Beobachtungen und Fragen zusammen, statt bei null zu starten.
So entstand irgendwann auch unsere Entscheidung, mit halben statt mit ganzen Tagen zu arbeiten. Nicht als Konzept von Anfang an, sondern als Konsequenz aus genau dieser Erfahrung: Ein intensiver, vorbereiteter halber Tag bringt häufig mehr als ein ganzer Tag voller Inhalte.
Der Workshop endet. Die Arbeit beginnt.
Aus Bewusstwerdung kann Klarheit entstehen. Aus Klarheit entsteht jedoch noch keine Umsetzung.
Deshalb arbeiten wir nach Workshops häufig mit kleinen, freiwilligen Arbeitsgruppen weiter. Sie tragen das Thema in den Alltag, prüfen erste Schritte und passen diese anhand ihrer Erfahrungen an.
Eine Teilnehmerin, die in einem Kundenunternehmen die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung mit ihrer Arbeitsgruppe aufbereitet und vorgestellt hat, schrieb uns anschließend:
„Ich freue mich, dass ich mich für die AG entschieden habe. Es ist eine unglaublich tolle Erfahrung und ich merke, wie viel ich dadurch gelernt habe.“
Sie hatte keine fertige Lösung präsentiert bekommen. Sie war selbst Teil des Prozesses, hat Rückmeldungen erlebt, Zusammenhänge verstanden und Verantwortung übernommen.
Damit eine Arbeitsgruppe wirksam werden kann, braucht sie einen klaren Rahmen: Welches Ziel verfolgt sie? Was darf sie selbst entscheiden? Woran erkennt sie, dass ihre Arbeit etwas verändert?
Die Geschäftsleitung gibt Orientierung, schafft Entscheidungsräume und hilft, Hindernisse zu beseitigen. Sie muss die Transformation nicht allein entwickeln und anschließend im Unternehmen durchsetzen.
In einer aktuellen Begleitung haben wir dafür einen Zeitraum von zwölf Wochen vereinbart. Danach wird gemeinsam ausgewertet: Was hat sich entwickelt? Was führen wir weiter, was verändern wir, was beenden wir?
Das deckt sich mit dem, was auch die eingangs erwähnte Forschung zeigt: Beteiligung allein reicht nicht. Erst wenn Führungskräfte die Umsetzung aktiv unterstützen, wirkt sich Beteiligung später tatsächlich auf Zufriedenheit und Wohlbefinden aus (Sakuraya et al., Journal of Occupational Health, 2026).
Eine Frage vor Ihrer nächsten Entwicklungs-Maßnahme
Wenn Sie als Geschäftsführung, HR-Leitung oder Führungskraft gerade einen Workshop, ein Seminar oder ein Training planen, fragen Sie nicht nur nach Thema, Termin und Moderation.
Fragen Sie sich: Was soll einige Wochen später im Arbeitsalltag konkret anders sein, und wer übernimmt Verantwortung dafür, dass wir daran weiterarbeiten?
Sprechen die Menschen anders miteinander? Sind Verantwortlichkeiten klarer? Können Mitarbeitende erkennen, dass ihr Beitrag etwas bewirkt?
Erst wenn diese Fragen beantwortet werden können, ist aus einem guten Impuls eine Entwicklung geworden.
Transformation beginnt beim Menschen und in seiner Bewusstwerdung. Ob daraus wirkliche Veränderung entsteht, entscheidet sich in der Umsetzung und in den Strukturen des gemeinsamen Alltags.
Bevor Sie die nächste Führungskräfteentwicklung oder Teamentwicklung planen, sprechen Sie gerne mit uns. Wir teilen unsere Erfahrung, ganz unverbindlich, und schauen gemeinsam, was bei Ihnen wirklich Wirkung entfalten könnte.
