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Organisation12. November 20254 Min LesezeitLinda Theurer

Muss New Work wirklich Old Work hinter sich lassen – oder geht beides?

Zu oft wird alles, was alt ist, verteufelt – und alles, was neu ist, gefeiert. Mit New Work verbinden Unternehmen große Hoffnungen. Doch der Weg dorthin ist selten so leicht, wie wir hoffen.

Seit Jahren spaltet diese Frage die Arbeitswelt. Denn zu oft wird alles, was alt ist, verteufelt, und alles, was neu ist, gefeiert.

Mit New Work verbinden Unternehmen große Hoffnungen: mehr Eigenverantwortung, motivierte Mitarbeitende, schnellere Entscheidungen, flachere Hierarchien und am Ende mehr Wirksamkeit. Doch der Weg dorthin ist selten so leicht, wie wir hoffen.

Warum die Schieflage nicht bei den Menschen beginnt

2015 durfte ich den Wandel hautnah erleben, zuerst bei Lidl Irland, später im internationalen Projekt New Ways of Working, das in 26 Länder ausgerollt wurde.

Wir führten Homeoffice und flexible Arbeitszeiten ein, reduzierten Hierarchien, digitalisierten Prozesse, schufen neue Rollen, von Agile Coach bis Change Manager. Und wir bauten Räume, die all das sichtbar machen sollten: Glas, Begegnungszonen, Coffee Corners, Sinnbilder einer offenen, modernen Kultur.

Doch beim Kick-off standen Menschen im Raum, die weinten. Nicht, weil die Idee schlecht war, sondern weil Veränderung, wenn sie verordnet wird, Angst macht.

„Etwas soll sich verändern, aber niemand fragt mich, ob ich bereit bin.“

Da beginnt die Schieflage: nicht bei den Menschen, sondern in der Annahme, dass Veränderung planbar ist.

Old Work und New Work, kein Entweder-oder

Wenn Menschen verunsichert sind, greifen sie zu Extremen: Alt oder Neu. Richtig oder Falsch. Gut oder Böse.

Doch viele Werte aus Old Work sind bis heute tragfähig: Verlässlichkeit. Disziplin. Qualität. Der Wille, Dinge gut zu machen. Was wir nicht mehr brauchen: Gehorsam, Machtspiele und starre Hierarchien.

Wir stehen nicht vor einer Revolution, sondern vor einer Evolution. Es geht nicht darum, Altes zu verwerfen, sondern das Gute zu bewahren und das Notwendige zu erneuern.

Warum New Work oft scheitert

In vielen Organisationen wurde New Work verstanden, bejaht, mit großem Aufwand eingeführt und blieb doch wirkungslos. Was bleibt, sind Kämpfe zwischen Alt und Neu, Überforderung bei Führungskräften, Demotivation in Teams.

Besonders Führungskräfte stecken fest: zwischen Kontrolle und Vertrauen, zwischen Verantwortung und Überlastung.

Ich erinnere mich an 2020, das neue, gläserne Lidl-Headquarter in Bad Wimpfen. Modern, hell, offen, ein architektonisches Statement. Und doch: Nach wenigen Monaten war klar, alles hat sich verändert, nur das Denken nicht.

Die Meetings, Entscheidungen, Erwartungen, alles folgte der alten Logik. Das Neue blieb Fassade.

Mitarbeitende spüren das. Sie hören Begriffe wie Agilität, Empowerment, Lean, People Focused und verdrehen die Augen. Nicht, weil sie Veränderung verweigern. Sondern, weil sie gelernt haben: „Am Ende bleibt doch alles gleich.“

Befragungen aus dem Engineering Management Review bestätigen das: Widerstand gegen Veränderung ist selten ein Methodenproblem, es ist ein Bewusstseinsproblem.

Wie Transformation wirklich gelingt

Die Lösung liegt nicht in Old oder New Work, sondern im Bewusstwerden, was uns antreibt. Veränderung passiert erst, wenn Menschen sich als Teil des Ganzen verstehen. Nicht als Betroffene, sondern als Beteiligte.

Das nennen wir bei PEC intrinsische Organisationsentwicklung. Wenn Bewusstsein und Struktur sich gemeinsam bewegen, wird Entwicklung nachhaltig. Dann ist es egal, wie wir sie nennen: New Work, Agile Work oder einfach gute Arbeit.

Transformation bedeutet: aus der alten Form heraustreten, sich hinterfragen, sich neu erfinden. Und sie beginnt immer mit einer Frage.

Transformation beginnt mit Fragen

Bevor sich eine Organisation verändert, muss sich der Mensch bewegen. Denn jede Struktur, jede Strategie, jedes Tool bleibt wirkungslos, wenn der Mensch, der sie nutzt, innerlich stillsteht.

Darum beginnt Transformation immer innen, mit Fragen, die Bewusstsein schaffen. Fragen, die Klarheit bringen. Fragen, die Verantwortung aktivieren. Fragen, die den Menschen wieder in Verbindung bringen, mit sich, mit anderen und mit dem Sinn seiner Arbeit.

Erst wenn Menschen erkennen, was sie antreibt, wofür sie Verantwortung tragen und wie sie wirken wollen, kann sich auch die Organisation verändern.

Auf drei Ebenen

ICH, Selbstführung:

  • Was bedeutet gute Arbeit für mich?
  • Damit meine Lebenszeit gut investiert ist, wie sollte ein Meeting für mich ablaufen?
  • Wie und woran messe ich meinen Erfolg?

WIR, Zusammenarbeit:

  • Wie gehen wir mit Macht, Konflikten und Fehlentscheidungen um?
  • Welche Werte verbinden uns?
  • Wie lernen wir gemeinsam und schaffen eine Lernkultur?

ALLE, Organisation:

  • Warum gibt es uns als Unternehmen?
  • Welchen Wert schaffen wir, für Kunden, Markt, Gesellschaft?
  • Warum sollte es uns überhaupt geben?

Fragen wie diese sind der Kern jeder echten Transformation. Sie öffnen Räume für Reflexion und verbinden Bewusstsein mit Struktur.

Und genau hier setzt unsere Arbeit bei PEC an: Wir schaffen kundenzentrierte, kompetenzbasierte Strukturen, die dieses Bewusstsein im Alltag verankern, damit Entwicklung nicht mehr von außen angestoßen werden muss, sondern von innen wächst.

Von der Macht zur Wirkung, die PEC-Haltung

Bei PEC begleiten wir Organisationen dabei, Verantwortung neu zu denken, nicht als Bürde, sondern als Möglichkeit.

Wir glauben nicht an Tools, sondern an Fragen, die Bewusstsein schaffen. Nicht an Trainings, sondern an Strukturen, die Kultur formen.

Structure creates culture. Und Kultur schafft Vertrauen.

Wir nennen das Führung von innen nach außen. Denn jede Kulturveränderung beginnt im Denken, und jede Strukturveränderung wird erst stabil, wenn sie mit Haltung gefüllt ist.

Zukunftsvision: gute Arbeit für Menschen, Teams und Organisationen

Vielleicht sollten wir uns weniger fragen: „Wie führen wir?“ und mehr: „Wie schaffen wir Bedingungen, unter denen Führen leicht wird?“

Wenn Strukturen Verantwortung ermöglichen, Kultur Vertrauen stärkt und Führung sich über Wirkung statt Position definiert, dann entsteht gute Arbeit, für den Menschen, das Unternehmen und den Kunden.